Lieber Twitter als Facebook

Angelika Schoder vom MusErMeKu (Museum-Erinnerung-Medien-Kultur)-Blog hat in einem sehr lesenswerten Beitrag unter dem Titel „Facebook hui – Twitter pfui“ über die Nutzung des dunkelblauen Fs und des hellblauen Vögelchen im Kulturbereich geschrieben. Facebook hat, wie dort beschrieben, auf den ersten Blick eine eindeutig höhere Reichweite – betrachtet man etwa den diesjährigen CityCampus Trier , so finden sich 255 ‚Gefällt-mir‘ auf der FB-Präsenz, hingegen nur 39 Follower auf Twitter. Die Facebook-Seite ist voll mit Hinweisen auf Stände und Aktionen, einer Wettervorhersage, Links zum Download der pdf des Programmhefts, während des CCT aufgenommenen Bilder – eine m.E. rundum gelungene FB-Präsenz für diese Veranstaltung. Die 37 Tweets des Accounts bestehen größtenteils ebenfalls aus eigenen Ankündigungen, Retweets von Ankündigungen von Teilnehmer/innen sowie Verlinkungen auf die FB-Seite. Einen ‚offiziellen‘ Hashtag gab es nicht, der Account selbst nutzte #CityCampusTrier und #CityCampus, allerdings nicht in jedem Tweet. Während auf der Homepage des CityCampus beide SocialMedia-Kanäle verlinkt waren, machten die Print-Plakate und auch das Programmheft nicht auf den Twitter-Account aufmerksam.

Ich sehe bei der FB-Seite ein ähnliches Problem wie Angelika: Der Feed-Algorithmus, der Nutzer von Seiten das hier präsentiert:

Veritasium FB

eigener Screenshot aus Veritasium, Facebook Fraud, YouTube

Derek (der Macher von Veritasium) hat das Problem so beschrieben, dass durch diese Algorithmen die eigene Facebook-Wall zu einer ’self-affirmation bubble‘ wird: Man sieht nur noch Beiträge von Freunden und Seiten, mit denen man interagiert; wenn etwa der CityCampus Trier in 15 Monaten postet, dass man schon den #CCT16 (see what I did there?) plant, geht das nicht an alle ~255 Liker, sondern nur an einen Bruchteil. Wenn diese nicht mit dem Link interagieren (weil ihnen vielleicht der #CityCampTR nicht so gefallen hat, sie nicht mehr in Trier studieren und wohnen oder einfach grade was anderes im Kopf haben), verläuft dieser Post im Sande. Die ca. 250 Liker sind effektiv nichts wert, weil kein Effekt, kein Posting Reach, entsteht – ja, kaum entstehen kann, außer die Macher des #CiCaTr16 bezahlen Facebook.

Ich betone nochmal, es ist moralisch prinzipiell in Ordnung, dass ein Unternehmen für seine Dienste Geld verlangt. Was FB tut, ist in Ordnung, nur leider einigermaßen intransparent. Die Frage, die sich Kulturinstitute stellen sollten, ist die nach Kosten/Nutzen. Nutzt die Kooperation mit dem Unternehmen Facebook wirklich der Einrichtung? Wer nicht für Posting Reach bezahlt, den kostet Facebook ’nur‘ die Arbeitszeit der Content Manager – aber selbst hier ist die Frage, inwiefern das rentabel ist. Sollte Twitter seine unsäglichen Pläne der Facebookisierung aufgeben und weiterhin das wunderbare, rückwärts-chronologisch plätschernde Flüsschen meiner Interessen sein, kann auch bei geringerer Reichweite ein potentiell höherer Nutzen entstehen. Diejenigen, die meinen Tweet sehen, wollten ihn auch sehen, interagieren vielleicht damit – und das wichtigste ist, es ist potentiell möglich, alle Tweets einer Institution zu sehen. Facebook mag zwar populärer und weitreichender sein – Twitter trägt m.E. aber (in seiner jetztigen Form) das höhere Potential mit sich.

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Über Tobias Jakobi

youtube.com/user/historytoby
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