Lebenswelten von Homosexuellen

Am Freitag war ja der City Campus Trier, und meine Ausstellung zur Queer History in Deutschland fand doch einigen Zuspruch. Es war sehr viel Text auf 9 großen Postern (danke nochmal an Joachim Schulte vom QueerNet RLP e.v. für die inhaltliche und finanzielle Unterstützung), und viele Besucher/innen zog es dann doch zu anderen Ständen. Im Nachhinein hätte ich die Ausstellung doch anders gestalten sollen, weniger Textblöcke, mehr Engagement. You live and learn, und nächstes Mal gestalte ich es hoffentlich ansprechender.

Es gab auch Besucher/innen, die sich die Zeit nahmen, den gesamten Text zu lesen. Ein Besucher sprach mich an und sagte (neben sehr nettem Feedback), dass er es schade fände, dass so wenig Fokus auf die Lebenswelten und so viel Opferrolle auf den Plakaten zu finden sei. Zum Glück gerät dieses Thema auch immer mehr in den Blick der Forschung, wie das neue Sammelwerk zur Geschichte von Homosexuellen im Dritten Reich von Michael Schwartz zeigt – Untertitel „Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen“.

Die Frage, wie homosexuelle Männer und Frauen zu verschiedenen Zeiten gelebt haben und ihr Leben organisiert und bestimmt haben, ist auf jeden Fall eine hochinteressante Thematik und ein Schritt weg von der Opfergeschichte, welche – allerdings auch verständlicherweise – das Thema Queer History lange beschäftigt hat und wohl auch noch weiter prägend sein wird. Mir fällt dabei auch eine Parallele zur (post)kolonialen Geschichtsschreibung auf, in welchem die kolonialisierten Gesellschaften und die darin lebenden Menschen auch lange als Opfer und Objekte der Europäer gesehen wurden und erst später der Blick auf deren eigenbestimmte Handlungen frei wurde. Ich hoffe, dass beides – die Geschichten der Marginalisierung und Verfolgung ebenso wie die Geschichten des eigenbestimmten Lebens und des Einsatzes für Menschenrechte – immer häufiger und vielfältiger erzählt, diskutiert und erforscht werden, auch um heutigen homophoben Diskursen entgegen zu wirken.

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Über Tobias Jakobi

youtube.com/user/historytoby
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