Pellinger Schanzen

 Die Grundlage für diesen Text entstand in der Übung „Quellen zur Geschichte Triers über vier Jahrhunderte (16.-19. Jahrhundert)“ an der Uni Trier. In der Übung unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Laux und Prof. Dr. Claudine Moulin behandelten wir unter anderem die Sitzungsprotokolle des Trierer Rates vom 7. bis 12. August 1794 aus dem Stadtarchiv Trier (Signatur TA 100,39). In den Sitzungsprotokoll wird die Schlacht an den Pellinger Schanzen vom 8. August 1794 erwähnt. Dieser Kampf im Zuge des Ersten Koalitionskriegs bedeutete das formelle Ende des kurfürstlichen Erzbistums, welches im Frieden von Campo Formio von 1797 festgeschrieben wurde. Der damalige Kurfürst, Erzbischof Clemens Wenzeslaus v. Sachsen. war bereits im Oktober 1792 aus seinem Residenz in Koblenz geflohen.

Nach einem ersten, erfolglosen Angriff französischer Truppen gegen Trier im August 1792 kam es am 8. August 1794 zu einer Schlacht bei Pellingen, südlich von Trier. Die Truppen aus Östereich und Trier mussten sich nach der Niederlage aus dem Gebiet zurückziehen. Am nächsten Tag zog die französische Armee unter dem befehlshabenden General Moreaux in die Stadt ein, wo ihnen die fünf verbliebenen Ratsmitglieder und Bürgermeister Gottbill die Schlüssel zur Stadt übergaben.

Die Stadt Trier hatte durch ihre Lage an der Mosel einen nicht zu unterschätzenden strategischen Wert im Ersten Koalitionskrieg. Durch ihre Position im Moseltal war die Stadt allerdings auch ein leichtes Ziel für auf den umliegenden Hügeln postierte Artillerie. Es war zur Verteidigung Triers somit vital, dass eine Besetzung der Höhenzüge um die Stadt im Vorfeld verhindert wurde, mithin die erste Verteidigungslinie Triers weit außerhalb der Stadt lag. Allerdings begann man in Trier erst nach der Schlacht von Valmy am 20. September 1792 und dem Rückzug preussischer Truppen in Trier mit ernsthaften Verteidigungsmaßnahmen. So wurden neben Einwohnern der Stadt Trier selbst auch 100 Arbeitern aus und um Pellingen abkommandiert, um hier Schanzen zu errichten. Man erwartete einen Angriff von Süden her und legte Verteidigungslagen an, deren Gräben mindestens 1,80m tief und deren Erdwälle an der Krone mindestens 1,50m dick waren. Aufgrund der Tatsache, dass man sich auf Kanonenbeschuss vorbereitete, kann man auch vermuten, dass die Wälle über 3,60m dick und die Gräben dahinter entsprechend breiter waren. Die rasch gebauten Befestigungen erfüllten ihren Zweck; die Angriffe der 20.000 Mann starken, französischen Armee im Dezember 1792 konnte von den 15.000 kaiserlich-österreichischen Soldaten (auch) an den Pellinger Schanzen abgewehrt.

In den folgenden Monaten dienten die Schanzen hauptsächlich als Straßenkontrollpunkt. Währenddessen wurden die Schanzen kontinuierlich ausgebessert und vergrößert. Angesichts der Tatsache, dass auf alle 4m Länge 3 Bäume verbaut wurden, muss man von enormen Flurschäden in der Trierer Umgebung ausgehen.Der Ausbau wurde nochmals intensiviert, nachdem französische Truppen aus dem Süden von Saarlouis und Thionville aus in Richtung Trier marschierten. Nach einer mehrstündigen Schlacht am 8. August 1794 zogen sich die kurfürstlichen und kaiserlichen Truppen am frühen Nachmittag von den Schanzen zurück. Die Verteidiger hatten etwa 300 Mann verloren, die Franzosen beklagten den Verlust von etwa 2000 Soldaten. Die Pellinger Schanzen wurden nach der Besetzung Triers – dem Beginn der sogenannten ‚Franzosenzeit‘ für die Stadt – zunächst repariert, um einen aus dem Süden geführten Gegenangriff abzuwehren. Ein solcher Angriff fand aber nicht statt, und in den folgenden zwei Jahrhunderten verschwanden die Pellinger Schanzen als sichtbares bzw. identifizierbares Merkmal der Landschaft. Lesefunde von Münzen, Uniformknöpfen und Bleikugeln aus dem Bereich der Schanzen zeugen allerdings noch immer von der miltärischen Nutzung des Gebiets.

Eine zeitgenössische Zeichnung der „Retranchements des Autrichiens en 1794“ gibt ihre Position wieder.

Pellinger Schanzen

Bild aus Beuttenmüller, Schantzendienst, S. 208.

In der Nähe des 2002 in Pellingen angelegten Neubaugebiets, in welchem eine Straße den Namen ‘Schanzenweg’ trägt, finden sich auf Luft- und Satellitaufnahmen (Google Maps, eigene Aufnahme) diese Formen in der Landschaft.

Pellinger Schanzen heute

Der Verlauf der Straßen sowie die Lage des “Heide Kopf” im ersten Bild zusammen mit der Lage der Straße “Am Höthkopf” im zweiten Bild lassen zeigen, dass die Pellinger Schanzen zumindest noch als rudimentäre Marken in der Landschaft vorhanden sind und zumindest hier der Schleifung durch landwirtschaftliches Gerät entkamen.

Literatur

  • Beuttenmüller, Claus P., “Zum Schantzendienst beordret”: Einsatz trierischer Bürger und Bauern zu Befestigungsarbeiten seit 1792. In: Elisabeth Dühr/ Christl Lehnert-Leven (Hg:), Unter der Trikolore: Trier in Frankreich – Napoleon in Trier, Bd. 1. Trier: Städt. Museum Simeonstift, 2004. S. 204-223
  • Clemens, Gabriele/ Clemens, Lukas, Geschichte der Stadt Trier. München: C. H. Beck, 2007.
  • Gerteis, Klaus, Trier – Tréves: Die ‘Franzosenzeit’ in Trier 1794-1814. In: Elisabeth Dühr/ Christl Lehnert-Leven (Hg:), Unter der Trikolore: Trier in Frankreich – Napoleon in Trier, Bd. 1. Trier: Städt. Museum Simeonstift, 2004. S. 59-82.
  • Müller, Michael, Die Stadt Trier unter französischer Herrschaft (1794-1814). In: Kurt Düwell/ Franz Irsigler (Hg.),Trier in der Neuzeit: 2000 Jahre Trier, Bd. 3. Trier: Spee, 1988. S. 375-398.
  • Zenz, Emil. Geschichte der Stadt Trier im 19. Jahrhundert, Bd. 1. Trier: Spee, 1979.
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Über Tobias Jakobi

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Eine Antwort zu Pellinger Schanzen

  1. Vielen Dank für diese wunderbare Ergänzung zu unserem Seminar! Es lohnt sich in der Tat, das Thema zu vertiefen, historisch und linguistisch ;-).

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